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DR. HERBERT J. SIEGL PHD
Psychologe für Hypnotherapie
Triumph-Pforte
A-6020 Innsbruck, Salurner Strasse 15/II
Telefon: +43(0)664 10 187 10
Österreich, Austria, Tirol, Tyrol

Mandrake

Botanical: Atropa mandragora
Family: N.O. Solanaceae

Ja, ja, es ist schon richtig!

Wissenschaftlich angewandte Hypnose ist in Österreich als Heilmethode, Psychotherapiemethode vom Bundesministerium für Gesundheit bereits vor Jahren im Psychotherapiegesetz verankert worden.

Doch zugleich finden immer noch sog. Show-Hypnosen statt?

Der Comic-Hypnose-Magier Mandrake (Mandragora), der mit einer einzigen kleinen Handbewegung fundierte hypnotische Trance herbeizuführen vermochte - und dessen Name bereits direkt hinüberleitet -, kann hier vielleicht die Brücke zu einer anderen Show und zu der andern Heilkunst, zur Medizin schlagen; Zu einer Anästhesie-Show in welcher es wie in der Hypnose ebenfalls um etwas ähnliches wie das Herbeiführen von tranceartigem "Schlaf" ging.

Denn, vor mehr als 150 Jahren haben Show-Veranstaltungen auf Jahrmärkten ebenfalls ihren Teil zur wissenschaftlichen Entwicklung der Medizin beigetragen. Wenn dort "Magier" (z.B. am 10. Dezember 1844 der Gärtner G. Quincy Colton) die Zuschauer damit unterhalten haben, dass das wie in hypnotischer Trance unbekümmert auf der Bühne Herumirren der unter Einfluss von Lachgas stehenden freiwilligen "Opfer" vorgeführt wurde.

Denn bei einer solchen Show bemerkte der glücklose - und wohl eigentliche Erfinder der medizinischen Anästhesie -, der Zahnarzt Horace Wells, dass einer der Teilnehmer keinerlei Schmerzen empfand, als er sich grob den Fuß anstieß; Solange die Wirkung des Lachgases anhielt.
Wells entwickelte daraufhin auf dieser Basis eine Anästhesiemethode, die er in seiner Ordination mehrfach erprobte und wollte damit im Hörsaal das schmerzfreie Entfernen von Zähne demonstrieren. (Erst seinem ehemaligen Schüler, dem Zahnarzt William Morton gelang dann mit der Methode von Wells der Durchbruch, indem er Ether statt Lachgas verwendete)
Jedoch wurden ab diesem Zeitpunkt Zahnmediziner und Chirurgen verstärkt darauf aufmerksam, wie wesentlich diese Anästhesiemethode in der schmerzfreien Behandlung von Patienten - seit nunmehr 150 Jahren - bei Operationen noch werden konnte.

Obwohl die Bemühungen um ein wirksames Anästhetikum in der Heilkunst noch viel weiter, bis in die Antike zurückreichen und Mandrake (Mandragora) hier lange Zeit mit an vorderster Stelle zu finden war.

  • Bereits Pedanius Dioscorides, der griechische Feldchirurg im Dienste Neros, empfahl 54--68  die orale Verabreichung von Mandragorawein (Alraune) gegen Schlaflosigkeit und Schmerzen bei chirurgischen Operationen und Wundausbrennungen.
  • Und auch  Plinius beschrieb den Mandragorawein 79.  "Er kann ganz gewiß benützt werden, den Schlaf herbeizuführen, wenn man sein Augenmerk auf die Menge richtet ... Auch ist er ein alltäglich Ding zu trinken gegen Schlangenbisse: wie vor dem Schneiden und Brennen, dem Stechen und Punktieren eines Gliedes, um die Empfindung und das Gefühl bei solch außergewöhnlichen Praktiken auszulöschen."
  • Der Herzog von Lucca bereitete 1200 einen Schlaftrunk aus Opium, Schierling, Bilsenkraut und Mandragora.  Damit tränkte er seinen Schlafschwamm, der bei kleineren Operationen zur Narkose der Patienten diente. 
  • Dann, 1275, entdeckte Raymundus Lullius das süße Vitriol.
  • Paracelsus entdeckte 1540 die einschläfernde Wirkung des süßen Vitriols und preist dessen Anwendung bei schmerzhaften Gebrechen.
  • Und W. G. Frobenius taufte 1730 das "süße Vitriol" in Ether um.
  • In der Folge entdeckte Sir Humphry Davy 1798 die analgetische und erheiternde Wirkung des Lachgases und führte 1799 an Beddoes Pneumatischem Institut die Lachgasverwendung für medizinische Zwecke ein.
  • Während William Allen, Dozent für Chemie am Guy's Hospital, 1800 in Anwesenheit Astley Coopers und anderer die Wirkung der Lachgasinhalation demonstrierte.  Dabei wurde der Verlust der Schmerzempfindung besonders hervorgehoben.
  • Michael Faraday veröffentlichte 1818  seinen Bericht über die schmerzstillende Wirkung des Ethers im "Journal of Science and Art".
  • W. E. Clarke verabreichte Miß Hobbie 1842 Ether, während Dr. Elijah Pope schmerzlos einen Zahn entfernte (Januar 1842). Und Crawford W. Long entfernte am 30.  März 1842 James Venable mit dessen Einverständnis einen kleinen Nackentumor in Ethernarkose.
  • Horace Wells ließ sich von Dr. John Riggs am 11.  Dezember 1844 einen Zahn ziehen, wobei ihm der Gärtner G. Q. Colton Lachgas verabreichte.
  • Charles T. Jackson schlug Morton 1846 vor, gereinigten Ether zur Narkose zu verwenden.  Damit gelang die schmerzlose Entfernung eines Zahnes.1

Natürlich konnte die Hypnose das bereits lange Zeit vorher ebenfalls erfolgreich bewirken und war die Hypnose auch damals bereits eine der wesentlichen ärztlichen Methoden, um Schmerzfreiheit bei Operationen herzustellen, wenn der Zahnarzt oder Chirurg hier zugleich ein Experte und erfahrener Hypnotiseur war. So wie auch heute noch. Obwohl die Ursprünge der Hypnose noch viel weiter zurückzureichen scheinen.

  • 4004 v. Chr. Altes Testament (nach Bischof Ussher): "Und da ließ Gott der Herr einen Tiefschlaf auf den Menschen (Adam) fallen, so daß er einschlief, nahm ihm eine seiner Rippen und verschloß deren Stelle mit Fleisch." - Genesis II, 21.
  • 1766-1860  entwickelte Franz Anton Mesmer die Theorie des "Vitalismus".  Er nahm damit die Lehre von der "Macht göttlicher Berührung" zur Heilung menschlichen Leidens wieder auf.
  • 1815 entwickelte Maxime de Puysegur die Theorie des Somnambulismus (Hypnose).  Seine Anwendung sollte die Schmerzen bei Operationen erleichtern.
  • 1840 berichteten John Elliotson und James Esdaile von der Anwendung des Somnambulismus (der Hypnose), mit dem sie in vielen Fällen schmerzlos operiert hatten.1

  • 5000 v. Chr. wandten Assyro-Babylonische Arzt-Priester Exorzist-Hypnose-Methoden an um für Krankheiten verantwortliche Dämonen zu zerstören. So wie Ägyptische "Gesundbeter" und Priester gleiche Techniken verwendeten um den Zorn der für die Heilung verantwortlichen Götter zu besänftigen und die unsichtbaren "Wunden" der Leidenden zu heilen. (Vgl. Fn. Monemvasiá)
  • 3000 v. Chr., der Gott Zeus, als Schöpfer der modernen Interventionen der Milton Erickson Hypnose. Monemvasia
  • Geb. 5. Dezember 1901 - 25. März 1980 entwickelte Milton Erickson die moderne kreative Hypnotherapie.

Es ist ein leicht verständliches Paradoxon, dass die "Magie" Hypnose zwar einerseits bereits lange vorher in der modernen Medizin erfolgreich war und dass Hypnose - neben dem seit Milton Erickson zusätzlich auch gewaltigen Impakt in der Psychotherapie - auch jetzt immer noch die weltweit angewandte ungefährlichste und hochwirksame Narkosemethode ist - z.B. in der Geburtshilfe, zum Wohle von Mutter und vor allem Baby, oder auch in der Zahnmedizin, wenn die Zahnärztin oder der Gynäkologe hier zugleich Expertin und erfahrener Hypnotiseur ist -, und dennoch andererseits auch heute von ihrem hohen Unterhaltungswert noch nichts verloren hat.

Denn wer - von den "Emergency-Room-erfahrenen" TV Zuschauern - würde vergleichsweise heute noch darüber lachen, wenn einem freiwilligen Opfer in einem OP im TV ein Bypass gelegt werden sollte und er würde bloß mit einer schöne alten Ether-Lachgas-Narkose von 1844-46 "eingeschläfert"; Noch dazu von einem Team von buntgekleideten Jahrmarkts-Magiern, die weder Mediziner noch Anästhesisten wären!

Und welcher Gesetzgeber würde das erlauben?

Aber warum darf dann die Hypnose auf der Bühne bleiben?

Irgendwann, so wie in der Anästhesie, müsste doch auch mit der Hypnose-Show endlich einmal Schluss gemacht werden, oder nicht?

Denn vor allem, auch auf der Bühne, im TV ist es nicht ganz einfach ein wirklich erfahrenen Hypnotiseur zu sein und deshalb - neben all dem oberflächlichen Humbug der mit Hypnose dort getrieben wird - greift so ein "Magier" dann in seiner Hilflosigkeit schon auch zu (ebenfalls schon sehr alten) Show-Methoden - wie ich selbst vor nicht allzu langer Zeit auf einer internationalen TV-Station beobachten konnte - die lebensbedrohlich sind:
Auf der dem Publikum, der Kamera abgewandten Seite mit zwei Fingern die Carotis, Halsschlagader des "Opfers" zu blockieren und damit die Durchblutung des Gehirns für einige Sekunden zu unterbinden. Das kann zum Tod führen! Aber natürlich ist es jetzt ganz leicht und sehr effektvoll die wartenden freiwilligen Versuchs-Opfer gleich reihenweise wie Mehlsäcke auf dem Boden der Bühne abzulegen; Und damit großartige "Mandrake" Hypnose vorzugaukeln.

Ich frage mich: Muss dieser unverantwortliche Spuk auch in diesem Millennium so weiter gehen?

Wenn es klar sein muss, dass Hypnose dieser Show-Effekte weder hier noch länger bedarf, als eine der weltweit erfolgreichsten Behandlungs-Methoden in der Psychotherapie leidender Menschen, noch dort, als eine auch in der Medizin weltweit erfolgreiche Anästhesiemethode.


1 Vgl. Ulf Glade, Universität Bremen (http://www-user.uni-bremen.de/~d02q/index.html)